Unsere Corona-Schul-Geschichte und die Vision von der Schule der Zukunft

Von Herzen Dank, liebe Bianca, für die Möglichkeit, hier eine der vielen, vielen persönlichen Geschichten im Rahmen dieser Corona-Krise zu erzählen – und noch viel wichtiger: die Vision einer Schule der Zukunft nach außen tragen zu dürfen – und zwar in erster Linie die meiner Tochter,  ein wenig gespickt bzw. ergänzt durch meine persönlichen Herzensanliegen.

Ich berichte aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: zum einen als Mutter einer wunderbaren Tochter, zum anderen als Grundschullehrerin, der die ihr anvertrauten Menschenkinder immer besonders am Herzen lagen – lagen, weil ich seit einiger Zeit nicht mehr in der Schule arbeiten kann, weil es meine Kräfte übersteigt, gegen mein Gewissen, gegen mein Herz und mein innerstes Wissen zu handeln…

Schon ganz früh im letzten Jahr kamen mir die ersten Zweifel, weil schon die allerersten Maßnahmen so unlogisch waren, dass dies sogar meinen pfiffigen Erstklässlern aufgefallen war!

Sie fragten mich, warum dies so sei, und ich antwortete ehrlich, dass ich mich das auch schon gefragt hätte, aber leider auch keine Antwort darauf wüsste…

Als ich genau diese Fragen in einer kleinen Teambesprechung mit der SL ansprach und nachhakte, erhielt ich als Antwort, dass diese Anordnungen nicht diskutiert würden.

Ich bin nicht die offene Kämpferin, die sofort Gegenargumente findet. Aber im Inneren werde ich spätestens dann, wenn einem das eigene Denken und Hinterfragen verboten wird, immer hellhörig und verspüre den Widerstand, alles einfach so hinzunehmen.

Ich glaube, ich könnte ein ganzes Kapitel oder sogar mehrere füllen, aber ich gebe mir Mühe, mich nun kurz zu fassen:

Kurz vor Beginn des 1. Lockdowns starb meine Mutter, die für mich, meine Tochter und meine gesamte Familie eine sehr große Bedeutung hatte – sie war unser Fels in der Brandung. Sie hatte das Herz stets auf dem rechten Fleck und konnte klar denken. Vor allem sagte sie stets ehrlich und frei, was sie dachte und verschaffte sich mit dieser Art auch bei ihren Chefs eine ehrliche Wertschätzung. Sie hätte all das, was nach ihrem Tod kam, niemals mitgetragen!

Es folgten in der Schule meiner Tochter unfassbare Mengen an zu erledigenden Aufgaben, überzogene Forderungen auch in inhaltlicher Sicht, dazu technische Schwierigkeiten, Aufgaben hochzuladen usw. Ich bat wegen der Belastung zur Trauerbewältigung um etwas Nachsicht und Aufschub der Aufgaben bei den wichtigsten Fachlehrern, der ihr größtenteils auch gewährt wurde – aber letztendlich mit der Erwartung, trotzdem alles irgendwie nachzuarbeiten, was völlig absurd war.

Der ständige Druck, sogar während der Osterferien, führten zum ersten Beinahe-Zusammenbruch meiner Tochter, die weinend sagte, sie könne nicht mehr, sie wolle auch einfach mal wieder unbeschwert frei leben können.

Es folgten die Präsenzzeiten in der Schule, aber mit Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände und dann auch noch in den Klassenräumen.

Als hochsensibles Kind mit ausgeprägten Sinnen und einem enormen Wahrnehmungsspektrum war das Tragen der Maske schon nach kürzester Zeit – spätestens nach einer Viertelstunde – eine Qual, die sich in verschiedenen körperlichen Symptomen äußerte: Herzrasen, Beklemmungen, Kopfschmerzen, Bauchweh, Schwindel, Halskratzen, Augenbeschwerden – und natürlich Luftnot.

Als Kind mit Neigung zu Infektasthma bat ich die Lehrer um Nachsicht und die Kinderärztin um eine entsprechende Befreiung zum Tragen der MNB.

Doch die Lehrer wiesen meine Tochter an, wenn sie mitbekamen, dass sie ganz kurz mal versucht hat, etwas mehr Luft zu bekommen und die Maske etwas von der Nase weghielt, diese sofort eng anzudrücken, höher zu ziehen und sie traute sich nicht einmal mehr, für eine Atempause auf den Schulhof zu gehen! Die Mitschülerinnen verpetzten sie bei den Lehrern und feindeten sie mit den oft gehörten Argumenten an „Wegen dir stirbt meine Oma!“. Die Lehrer kontrollierten sogar auf den Toiletten, ob die Maske aufbehalten wurde und das Trinken war auch nur noch in einer einzigen  Hofpause am Tag draußen erlaubt!

Was das auf psychologischer Ebene in Bezug auf den Tod ihrer eigenen Oma ausgelöst haben mag, darüber kann ich nur spekulieren.

Jedenfalls zog sich meine Tochter immer weiter zurück, denn sie hatte es an ihrer Schule und in ihrer Klasse sowieso nicht leicht, weil ein hoher Konkurrenzdruck und viel Neid den Klassenfrieden  schon immer gefährdet hatte und sie war ein gefundener Sündenbock für den Frust der anderen Mädchen.

Die langjährige Kinderärztin, die immer sehr einfühlsam mit Kindern umging, versuchte im Gespräch mit mir Ängste zu schüren, Horrorszenarien zu zeichnen und war in keinster Weise dazu bereit, die Beschwerden meiner Tochter und meine diesbezüglichen Sorgen auch nur annähernd ernst zu nehmen, sondern riet mir, ihr alle Medikamente hochdosiert regelmäßig zu geben, die sie bereits seit Jahren nur noch ganz selten im Jahr, im absoluten Notfall, benötigt hatte. Die Maske würde sie schützen. Ich war entsetzt. Dann suchte ich nach einer neuen Ärztin, die ihren Beruf und ihren geschworenen Eid ernst nimmt und fand sie. Sie übernahm meine Tochter als Patientin und sie bekam ein Maskenbefreiungsattest – das die Schule nicht anerkannte.

Die Zeit dort war furchtbar und es wurde immer schlimmer; es ging meiner Tochter in mehrfacher Hinsicht sehr schlecht – körperlich, aber auch psychisch. Etwa jeden 2. Tag holte ich sie früher ab, weil es ihr nicht gut war, und dann fehlte sie auch immer wieder. Hausaufgaben bekam sie nur selten, das hatte an der Schule in dieser Klasse noch nie richtig geklappt, und so staute sich auch noch der Lehrstoff an.

Schlussendlich – nachdem ich um ein persönliches Gespräch mit der Direktorin gebeten hatte, in dem es um die pädagogische Haltung und Begleitung der Schule ging, nicht einmal um die Maske – erhielt ich kurz nach diesem Gespräch einen Brief vom Gesundheitsamt, weil die Rektorin das Attest in Zweifel gezogen hatte – welch eine Anmaßung in meinen Augen!

Ich holte mir das Attest, das entgegen der Vorschrift im Original in der Akte meiner Tochter aufbewahrt worden war, ab und war nicht mehr länger bereit, dies weiter mitzutragen. Ich wusste: Ich wollte meine Tochter nur noch weg aus diesem feindlichen Umfeld, aus dieser Schule haben.

Zu dem Zeitpunkt litt meine Tochter übrigens still und schrieb auf einem Zettel, dass sie so nicht mehr weiterleben wolle – mit dem Leistungsdruck der Schule, mit der Ausgrenzung durch Mitschüler…Den Zettel fand ein Fachlehrer unter ihrer HÜ, die sie noch mitgeschrieben hatte….

Ich war schon lange am Hadern mit weiterführenden Schulen, insbesondere den klassischen Gymnasien, weil es dort in meinen Augen schon lange nicht mehr um die Kinder und Jugendlichen ging und geht, sondern um die beste Anpassungsfähigkeit, einen ausgeprägten Leistungsgedanken und Andersdenkende, besonders wache oder sensible Heranwachsende es dort noch nie leicht gemacht bekamen.

Nun, diese ganzen persönlichen Erfahrungen im Hintergrund, sprach ich das Thema „Maske“ und „Hygienevorschriften“ auch in meiner eigenen Schule an. Der Schulleiter, der mich eigentlich immer sehr geschätzt hatte, war aber schon von Beginn an nicht für meine – viel zu vorsichtigen – Versuche bereit, sich von der Schädlichkeit der Masken und der Unsinnigkeit der meisten Maßnahmen überzeugen zu lassen. Ich versuchte, ihm anhand meiner persönlichen Erfahrungen mit meiner Tochter konkrete Beispiele zu geben und zum Hinterfragen anzuregen, aber ich stieß auf wenig Verständnis. Als ich ihn fragte, wo das denn hinführen würde und es doch nicht sein könne, dass maskenbefreite Menschen nicht mehr ihre Lebensmittel im Supermarkt kaufen könnten, zuckte er nur mit den Schultern und meinte, die Läden dürften sich zu Recht auf ihr Hausrecht berufen. Das konnte und wollte ich nicht glauben; er ist praktizierender Christ, auch Religionslehrer – als solcher hätte er sich in meinen Augen im Sinne der Nachfolge Jesu viel stärker mit den Benachteiligten solidarisch zeigen müssen. In mir zerbrach das Bild, das ich bisher von ihm gewonnen hatte.

Meine Kollegen waren alle maßnahmentreu, hinterfragten nichts und nicht wenige herrschten die Kinder immer wieder an, doch gefälligst die Maske richtig über die Nase hochzuziehen – und zwar nicht nur im Schulgebäude, sondern auch während der Hofpause an der frischen Luft, in welcher die Kinder umhertobten. Einige beschwerten sich auf Dienstbesprechungen über sogenannte „notorische Maskenverweigerer“, deren Masken immer zu tief hingen und fragten, ob man da nicht endlich schärfere Sanktionen einführen könne.

In ihrer Angst waren sie keinerlei sachlichen Argumenten zugänglich.

Als mir das Ausmaß der Krise allmählich bewusst wurde, weil ich mehr und mehr Hintergründe erfuhr und meine Kolleginnen durch Gespräche immer wieder „wachrütteln“ wollte, haben sie mich als Gefahr für den Teamfrieden empfunden.

Als ich meine Bedenken äußerte wegen des weitergehenden Masketragen-Müssens trotz eingebauter Lüftungsanlagen in den Klassenräumen und auf den Arbeitsschutz verwies, war mein SL total befremdet und wies meine Bedenken zurück.

Als der ÖPR Anfang 2021 stolz einen 5seitigen Brief an die Ministerin geschickt hatte im Namen unseres gesamten Kollegiums (ich habe im Nachhinein davon erfahren, weil er im Intranet veröffentlicht wurde und auch einige Zustimmung erhielt….), um sich über unsere Gefährdung der Lehrergesundheit zu beschweren u.a. durch falsch gelieferte FFP2-Masken und um die vorgezogene Impfung zu fordern, bin ich vom Glauben völlig abgefallen.

Mein erster Impuls war zu schreien „In MEINEM Namen ist dieser Brief NICHT geschrieben, ich wusste ja nicht einmal etwas davon!“ – aber ich hatte die Kraft nicht dazu, das im Nachhinein anzumerken…

Ich fühlte nur noch Aversion und Panik in mir aufsteigen, wenn ich nur an die Schule denken musste… Als die Präsenzpflicht begann, ließ ich mich krankschreiben, ich konnte nicht mehr.

Da ich mit meinen Zweitklässlern immer ehrlich war und nun merkte, dass deren Eltern weitestgehend wohl auch pro Impfung und Maske waren, und alle – laut Auskunft meiner Kolleginnen – ihre Kinder trotz Testpflicht weiterhin in die Schule schickten, da konnte ich keine Worte mehr finden, mit ihnen zu kommunizieren…                                                               

Da mir das Abarbeiten von Aufgaben, das Geringschätzen von Kindern und Eltern, die Dinge anders als gewünscht sehen und die ständigen Leistungsforderungen sowie das Verwalten und Einhalten der Hygienevorschriften etc. einfach nur noch zuwider waren, weil mein Innerstes weiß, wie falsch all das läuft, schon seit Jahren und jetzt sowieso, da konnte ich auch keine Aufgaben mehr von zu Hause aus schicken.

Dies ist definitiv nicht mehr die Schule, nicht mehr das Schulsystem, in der ich arbeiten möchte und kann – das ist mir in diesen letzten Wochen besonders klar geworden.

Meine Tochter war zwischenzeitlich dreimal völlig depressiv und wollte so nicht mehr weiterleben – wie übrigens einige ihrer alten Freundinnen.

Die Empathiefähigkeit unserer Jugend, die Selbstwahrnehmungsfähigkeiten (die schon früher bei vielen Kindern nur noch schwach ausgeprägt waren), die Lebensfreude und Leichtigkeit der Kindheit – all das ist unseren Kindern und Jugendlichen nun seit über einem Jahr genommen worden bzw. allmählich abhanden gekommen, und jene, die sich davon ein wenig bewahrt haben, werden durch den täglichen Wahnsinn in große innere Konflikte gestürzt…

Wollte ich deren Dilemma und Seelenqualen schildern, die sie in dieser Zeit in allen möglichen Facetten durchlebt haben und noch durchleben, so könnte ich viele weitere Seiten füllen…

Schule ist für die meisten längst „gestorben“; meine Tochter zeigt schon seit längerem Symptome eines Burnouts … aber während viele Lehrer nun denken, dass sie einfach keine Lust mehr habe, etwas für die Schule zu tun, entgegne ich hier, dass Schule schon sehr lange für alle Kinder, besonders für die wachen, cleveren, hochkreativen und hochsensiblen Kinder und Jugendlichen, wie sie eine ist, eine furchtbare Qual darstellte, weil sich diese Kinder darin überhaupt nicht mehr finden konnten und weil sie alles, was sie berührt und von Natur aus neugierig macht, einfach negieren sollen, weil es nicht „in den Plan“ passt…

Ich denke, wenn man sich die folgende Vision meiner Tochter von ihrer Schule der Zukunft durchliest, wird man leicht erkennen, welches Potential in unseren Heranwachsenden steckt und wie man es wiederentdecken und fördern könnte:

Schule sollte ein schön und interessant gestalteter Lernort mit viel Natur und Tieren sein, mit Klassen, in denen sich jeder versteht und in denen es keine Herabwürdigung und kein Mobbing gibt – weder durch Mitschüler, noch durch Lehrer!

Die Klassen sind so zusammengesetzt, dass man mit denen zusammen ist, mit denen man sich gut versteht, so dass sich jeder darin wohlfühlen kann. Es soll eine richtige KlassenGEMEINSCHAFT geben, mit begrenzter Anzahl…

Diese Schule hat keine festen Zeiten, ist Tag und Nacht geöffnet, nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch Ort der Begegnung und des Austauschs…

Es ist freiwillig, ob man hingeht oder nicht – man kann Aufgaben also auch hochladen, um sie abzugeben.

Die Lehrer sind verständnisvoll.

Es gibt viel mehr Sitzecken und Aufenthaltsräume.

Fächer: Englisch, Pflanzen, Naturkunde (wie Bio), Astrologie, Kunst, so was wie Sport, aber was man sich aussuchen kann (ohne Druck, sondern weil Bewegung Spaß macht!), frei zugängliche Musikinstrumente, Ernährungswissenschaft, Geld/Sparen/Kontoführung – wie man mit Geld umgeht, dass man am Ende des Monats noch genug hat

Handwerk (ähnlich wie Kunst, nur erweitert, auch Kunsthandwerk wie Goldschmieden z.B.)

Philosophie – Fragen stellen können, Fragen nach dem Sinn des Lebens

Klassenstunde, in der gespielt wird, gemeinsame Spiele, die ALLE mögen

Gesundheit: Wie funktionieren Körper, Geist, Seele und was kann ich tun, damit es mir gutgeht, Meditation/Yoga

Heilwissen: bei Philosophie, Pflanzenkunde, Bio mit drin

Auch Mathe und Deutsch, aber nicht so wie heute, eher wie Nebenfächer – so, dass man über die Runden kommt, die Grundlagen beherrscht, man muss ja kein Mathematiker werden…

Das war O-Ton die Schulvision meiner Tochter, Anfang dieses Jahres von mir aufgeschrieben.

Meine ist in vielen Bereichen sehr ähnlich…auf jeden Fall völlig anders als bisher, ohne Noten, ohne Lern-und Leistungsdruck und -kontrolle, das Lernen folgt der Begeisterung und Sinnhaftigkeit!

Und der positive, wertschätzende Umgang miteinander ist mir noch wichtig, das Zutrauen in die Selbstentfaltungskräfte der Kinder und Jugendlichen!

Und dass die Kinder sich gegenseitig liebevoll-wertschätzend helfen, statt sich zu dominieren oder auszugrenzen.. Sollte das doch mal versucht werden, so sind die Lernbegleiter da, die das auffangen und unterbinden – alle haben dasselbe Recht, sich wohlzufühlen, und niemals auf Kosten der anderen!

In der Hoffnung und im Vertrauen darauf, dass sich in Zukunft sehr viel, wenn nicht alles zum Besseren wendet!

(Verfasser ist bekannt, möchte anonym bleiben)